Stoff wird in die Stichplatte gezogen – was tun?
Besonders bei dünnen Stoffen passiert es klassisch am Nahtanfang: Der Stoff wird von der Nadel förmlich in die Stichplattenöffnung gezogen, es entsteht ein Fadenknäuel auf der Unterseite. Das lässt sich mit der richtigen Technik zuverlässig vermeiden.
Was dabei technisch passiert
Beim allerersten Stich einer Naht ist noch kein Nähfaden mit Zug im Stoff verankert. Sticht die Nadel ein und zieht sich zurück, kann der lose Ober- und Unterfaden zusammen mit der Stoffkante nach unten in die Öffnung der Stichplatte gezogen werden, statt sauber verarbeitet zu werden. Das Ergebnis ist ein verknoteter Fadenklumpen unter dem Stoff, der die Naht blockiert und im schlimmsten Fall den Stoff beschädigt.
Sofortmaßnahme: Maschine anhalten, nicht weiterdrücken
Sobald Sie merken, dass sich unter dem Stoff etwas verklemmt oder die Maschine ungewöhnlichen Widerstand zeigt, halten Sie sofort an. Weiterzunähen presst den Fadenklumpen nur fester in die Öffnung und kann Nadel oder Greifer beschädigen.
- Handrad in Nähposition drehen, bis die Nadel in ihrer höchsten Stellung steht.
- Nähfuß hochstellen und den Stoff vorsichtig zur Seite ziehen.
- Stichplatte öffnen und den verknäulten Faden mit einer Pinzette vorsichtig entfernen.
- Greiferbereich danach auf zurückgebliebene Fadenreste absuchen.
Ursache 1: Die Fadenenden werden beim ersten Stich nicht festgehalten
Das ist die mit Abstand häufigste Ursache. Wird beim Nahtbeginn nicht mit einer Hand leichter Zug auf Ober- und Unterfaden ausgeübt, haben beide Fäden zu viel Spiel und werden leichter nach unten mitgerissen. Halten Sie deshalb bei jedem Nahtanfang die beiden Fadenenden locker, aber spürbar fest, bis zwei bis drei Stiche genäht sind.
Ursache 2: Dünner oder sehr leichter Stoff ohne Unterstützung
Feine Stoffe wie Chiffon, dünner Jersey oder leichte Baumwolle bieten der Nadel wenig Widerstand und lassen sich dadurch leichter mit nach unten ziehen. Ein Stück Stickvlies oder Seidenpapier unter dem Stoff gibt zusätzlichen Halt und lässt sich nach dem Nähen wieder entfernen.
Ursache 3: Zu große Nadelöffnung in der Stichplatte
Stichplatten für breite Zierstiche haben eine größere Öffnung als Geradstich-Stichplatten. Bei dünnen Stoffen und einfachen Geradnähten erhöht diese größere Öffnung das Risiko, dass der Stoff mitgezogen wird. Nutzen Sie für gerade Nähte an leichten Stoffen nach Möglichkeit eine Stichplatte mit kleiner, runder Nadelöffnung.
Ursache 4: Zu straffe Fadenspannung am Nahtanfang
Eine sehr straffe Oberfadenspannung kann den ersten Stich zusätzlich erschweren, weil der Faden dann stärker nach unten gezogen wird, statt locker mitzulaufen. Prüfen Sie bei wiederkehrendem Problem, ob die Fadenspannung insgesamt zu hoch eingestellt ist – mehr dazu im Ratgeber Fadenspannung einstellen.
So vermeiden Sie das Problem dauerhaft
- Bei jedem Nahtanfang Fadenenden kurz festhalten, statt loszunähen.
- Die ersten zwei bis drei Stiche besonders langsam und kontrolliert nähen.
- Bei dünnen Stoffen ein Stützmaterial unterlegen.
- Für Geradnähte die passende Stichplatte mit kleiner Nadelöffnung verwenden.
Wann zum Fachmann?
Ein einzelner Fadenknäuel lässt sich fast immer selbst entfernen. Verklemmt sich der Stoff dagegen regelmäßig trotz korrekter Technik, oder bemerken Sie danach ein verändertes Nähbild, sollte der Greiferbereich fachkundig auf Beschädigungen geprüft werden.
Häufig gestellte Fragen
Warum passiert das fast immer nur am Nahtanfang?
Muss ich nach dem Verklemmen die Nadel wechseln?
Hilft ein Anschiebetisch gegen dieses Problem?
Kann eine falsche Stichplatte das Problem verursachen?
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